Wie du bei einem CMS Wechsel Inhalte, Rollen und Rankings mitnimmst
Beim CMS Wechsel redet fast jeder über das neue System. Verloren geht, was im alten niemand dokumentiert hat: Rollen, Formulare, Weiterleitungen. Hier liest du, wie eine CMS Migration ohne böse Überraschungen am Starttag gelingt und was du vorher festhalten musst.
Lesedauer: 7min
Warum ein CMS Wechsel mehr ist als ein Umzug von Texten
Bei einer CMS Migration wechselt das System, das Inhalte verwaltet, ausspielt und schützt. Die Seiten sehen vielleicht ähnlich aus, doch darunter ändern sich Datenmodell, Rechte, Schnittstellen und Adressen. Wer nur Texte und Bilder kopiert, überträgt die sichtbare Hälfte des Auftritts und lässt die unsichtbare zurück.
Das ist der Unterschied zu einem klassischen Relaunch. Beim Relaunch steht die Gestaltung im Mittelpunkt, und die Frage ist, ob sich der Schritt lohnt. Bei der Migration steht im Mittelpunkt, was von einem System ins andere wandern muss, damit der Betrieb am nächsten Tag weiterläuft: Inhalte, Strukturen, Zuständigkeiten, Formulare und Messung. Die Weiterleitungen sind dabei nur ein Teil, den wir in dem Beitrag zum Weiterleitungskonzept ohne Rankingverlust ausführlich behandeln.
Welches System am Ende das richtige ist, steht in diesem Beitrag nicht zur Debatte. Wenn diese Entscheidung noch offen ist, hilft die Übersicht, wie du das CMS findest, das zu deinem Unternehmen passt. Hier geht es um den Weg dorthin.
Google beschreibt den Ablauf eines Umzugs mit geänderten Adressen in fünf Schritten: Grundlagen prüfen, die neue Website vorbereiten und gründlich testen, die Zuordnung alter zu neuen Adressen erstellen, den Umzug über Weiterleitungen starten und anschließend den Verkehr auf alten und neuen Adressen beobachten. Dieses Gerüst eignet sich auch als Grundlage für den Projektplan, weil es Test und Beobachtung gleichberechtigt neben die Umsetzung stellt.
Wie du Inhalte erst erfasst und dann bewertest
Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme. Die Nielsen Norman Group unterscheidet dabei zwei Dinge: Das Inventar listet jeden vorhandenen Inhalt mit Titel, Adresse, Format, Datum und Metadaten. Die Prüfung bewertet danach die Qualität und zeigt, was aktualisiert werden muss, wo Lücken bestehen und was entfallen kann. Das Inventar allein sagt dir, was da ist, aber nicht, ob es etwas taugt.
Für jeden Inhalt wird ein Status festgehalten. Bewährt haben sich drei Entscheidungen:
Behalten: Der Inhalt zieht unverändert um und bekommt im neuen System seinen Platz.
Überarbeiten: Der Inhalt zieht um, braucht aber vorher Änderungen, die mit einer verantwortlichen Person und einem Termin festgehalten werden.
Entfernen: Der Inhalt entfällt, nachdem die Inhaltsverantwortlichen zugestimmt haben, und die alte Adresse bekommt ein sinnvolles Ziel.
Gerade bei größeren Entfernungen sollte nicht allein das Projektteam entscheiden. Seiten, die kaum Besucher haben, können intern wichtig sein, etwa für den Vertrieb oder für Ausschreibungen. Frage deshalb vor dem Löschen, wer die Seite nutzt, und ziehe die Daten aus der Search Console heran, um zu sehen, welche Seiten tatsächlich Anfragen und Sichtbarkeit tragen. Wie du diese Zahlen liest, zeigt der Beitrag über die Daten der Google Search Console, die wirklich zählen.
Wie sich Inhaltstypen im neuen System abbilden lassen
Jedes System denkt Inhalte anders. Was im alten CMS ein Artikel mit freiem Textfeld war, ist im neuen vielleicht ein strukturierter Inhaltstyp mit eigenen Feldern für Titel, Teaser, Bild, Kategorie und Autor. Diese Übersetzung ist der aufwendigste Teil der Migration, weil sie nicht automatisch passiert. Ein Import überträgt Felder nur dann sinnvoll, wenn vorher festgelegt wurde, welches Feld wohin gehört.
Lege deshalb früh ein Modell fest, das beschreibt, welche Inhaltstypen es gibt und welche Felder sie tragen. Dazu gehören auch die Dinge, die man leicht übersieht: Metatitel und Beschreibungen, Alternativtexte der Bilder, Kategorien und Schlagwörter, Verknüpfungen zwischen Inhalten und Angaben zur Sprache. Bei mehrsprachigen Auftritten kommt die Zuordnung der Sprachversionen hinzu, die sich im neuen System anders darstellen kann. Worauf es dabei ankommt, steht im Beitrag zur Frage, wann sich eine mehrsprachige Website wirklich lohnt.
Ein Probeimport mit zehn bis zwanzig typischen Seiten deckt die meisten Brüche früh auf. Prüfe an diesen Seiten, ob Überschriften, Tabellen, eingebettete Medien und interne Links sauber ankommen. Alles, was beim Probelauf auffällt, trifft sonst den kompletten Bestand.
Rollen, Rechte und Freigaben sauber übertragen
Rollen werden bei Migrationen häufig vergessen, weil sie im Alltag unsichtbar sind. Erst am Starttag merkt jemand, dass die Pressestelle nicht mehr veröffentlichen darf oder dass die Geschäftsführung Texte nicht mehr freigeben kann. Erfasse deshalb im alten System, wer heute was darf, und gleiche es mit dem ab, was im neuen System vorgesehen ist.
Wie unterschiedlich die Systeme dabei arbeiten, zeigen die Vergleiche von Typo3 und WordPress und von WordPress und Contao. Der eine Ansatz liefert feine Rechte im Kern, der andere ergänzt sie über Erweiterungen. Für die Migration zählt, dass du folgende Punkte festhältst:
Wer Inhalte anlegen, ändern, freigeben und veröffentlichen darf, getrennt nach Bereichen und Sprachen.
Welche Freigabeschritte es gibt und wer bei Abwesenheit vertritt.
Welche Benutzerkonten externe Dienstleister haben und welche davon nach dem Umzug erlöschen sollen.
Wer Zugriff auf Einstellungen, Formulare und Schnittstellen behält.
Bring diese Liste vor dem Start mit der Redaktion durch und lass sie bestätigen. Ein kurzer Testlauf, in dem jede Rolle einmal ihre typische Aufgabe im neuen System erledigt, ist wertvoller als jede Dokumentation.
Was an Formularen, Tracking und Einwilligungen hängt
Formulare, Messung und Einwilligungsabfrage sind meist über Skripte, Erweiterungen oder Tag Manager Container mit dem alten System verbunden. Beim Wechsel müssen sie bewusst neu angeschlossen werden. Teste jedes Formular mit einer echten Anfrage bis in den Posteingang oder das CRM, und prüfe, dass Ziele und Ereignisse in der Messung weiterhin ausgelöst werden. Sonst fehlen dir ausgerechnet in der sensibelsten Phase die Zahlen.
Dasselbe gilt für die Einwilligung. Das neue System muss Skripte erst nach der Zustimmung laden, und die Texte müssen zur tatsächlichen Datenverarbeitung passen. Was dabei rechtlich verlangt wird, erklärt der Beitrag über die Cookie Banner Pflicht. Die Übersicht fasst zusammen, was du zusätzlich zu den Inhalten mitnehmen musst.
Bereich | Was mitwandert | Typisches Risiko |
|---|---|---|
Inhalte | Texte, Bilder, Metadaten, Alternativtexte | Felder landen im falschen Ziel |
Adressen | Zuordnung alter zu neuen URLs | Weiterleitung auf die Startseite statt auf die passende Seite |
Rollen | Rechte, Freigaben, Vertretungen | Redaktion kann am Starttag nicht veröffentlichen |
Formulare | Felder, Ziele, Benachrichtigungen | Anfragen erreichen niemanden |
Messung | Ereignisse, Ziele, Einwilligung | Datenlücke direkt nach dem Umzug |
Wie Parallelbetrieb und Starttag ablaufen
Im Parallelbetrieb läuft die neue Website vollständig auf einer nicht öffentlichen Testumgebung, während die alte weiter live ist. In dieser Phase wird getestet und freigegeben. Google weist darauf hin, dass du den Umzug mit der Vorbereitung der neuen Website beginnst und planen solltest, wann Sperren für Suchmaschinen aus der Entwicklungsphase wieder entfernt werden. Wer das vergisst, bleibt nach dem Start unsichtbar. Der Ablauf lässt sich in sechs Schritte fassen:
Inhalte einfrieren oder Änderungen im alten System protokollieren, damit nichts verloren geht.
Den finalen Import durchführen und Stichproben gegen das Inventar prüfen.
Weiterleitungen, Formulare, Messung und Rechte auf der Testumgebung abnehmen.
Sperren für Suchmaschinen entfernen und die neue Sitemap vorbereiten.
Die Umstellung in einer verkehrsarmen Zeit durchführen.
Sofort nach dem Start Stichproben auf alten Adressen, Formularen und Messung ausführen.
Für die Weiterleitungen gilt laut Google: Nutze serverseitige dauerhafte Weiterleitungen mit dem Statuscode 301 oder 308, halte Ketten kurz und leite jede alte Adresse auf die passende neue Seite, nicht pauschal auf die Startseite. Kleine und mittlere Auftritte ziehen in der Regel auf einmal um, bei sehr großen Auftritten kann ein Umzug in Abschnitten Fehler leichter eingrenzen.
Was nach dem Umzug beobachtet wird
Mit dem Start ist die Migration nicht beendet. Google erwartet vorübergehende Schwankungen im Ranking, und bei mittelgroßen Auftritten kann es einige Wochen oder länger dauern, bis die neuen Adressen die alten in den Ergebnissen ersetzen. Der Verkehr sollte auf den alten Adressen sinken und auf den neuen steigen. Beobachte dafür die Berichte der Search Console, die Serverprotokolle und die Zahl der Anfragen.
Behalte die Weiterleitungen mindestens ein Jahr, besser länger. Plane außerdem Pflegezeit ein, denn ein neues System braucht Updates und Aufmerksamkeit, wie der Beitrag zur Frage zeigt, woraus sich die Kosten für einen Website Relaunch ergeben. Wer das Projekt von Anfang an sauber beschreiben will, findet in dem Beitrag zum Website Pflichtenheft eine Grundlage für Anforderungen und Abnahme.
Fazit: Eine CMS Migration gelingt, wenn der Bestand vorher bekannt ist
Eine CMS Migration scheitert selten an der Technik des neuen Systems, sondern an dem, was vorher nicht erfasst wurde. Wer Inhalte bewertet, das Datenmodell festlegt, Rollen bestätigt, Formulare und Messung testet und den Umzug mit Parallelbetrieb absichert, geht ohne Überraschungen live. Wenn du wissen willst, wer dich dabei begleitet, hilft der Beitrag darüber, woran du die richtige Agentur für deinen Website Relaunch erkennst. Für dein Projekt unterstützen wir dich von der Bestandsaufnahme bis zur Abnahme, und wenn du konkrete Fragen hast, melde dich bei uns.
Quellen
Google Search Central: Website mit geänderten URLs umziehen
developers.google.com/search/docs/crawling-indexing/site-move…Google Search Central: Weiterleitungen und die Google Suche
developers.google.com/search/docs/crawling-indexing/301-redirectsNielsen Norman Group: Content Inventory and Auditing 101
nngroup.com/articles/content-audits/






