Was das BFSG 2026 von deiner Website verlangt

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Viele Unternehmen sind damit verpflichtet, ihre Website barrierefrei zu gestalten, und riskieren sonst Abmahnungen und Bußgelder. Hier steht, wer betroffen ist und was du jetzt konkret umsetzen musst.

Lesedauer: 5min

Eine Seitenkarte mit geprüften Zugänglichkeitspunkten und einem Kontrastfeld daneben

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Eine Seitenkarte mit geprüften Zugänglichkeitspunkten und einem Kontrastfeld daneben

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Was ist das BFSG und warum betrifft es deine Website

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz setzt die europäische Richtlinie EU 2019/882 in deutsches Recht um. Ziel ist es, dass digitale Produkte und Dienstleistungen für alle Menschen zugänglich sind, unabhängig von Einschränkungen des Sehens, Hörens, der Motorik oder der kognitiven Verarbeitung. Für dich als Unternehmer bedeutet das konkret: Wenn deine Website elektronischen Geschäftsverkehr ermöglicht, also etwa Produkte, Dienstleistungen, Buchungen oder Anfragen über ein Formular anbietet, fällt sie unter das Gesetz. Wie ein Formular gleichzeitig zugänglich und conversionstark wird, zeigt Kontaktformular optimieren für mehr qualifizierte Anfragen.

Früher galten Barrierefreiheitsanforderungen vor allem für öffentliche Stellen. Mit dem BFSG wurde diese Pflicht auf den privaten Sektor ausgedehnt. Das heißt: Auch dein Handwerksbetrieb, deine Agentur oder dein Onlineshop muss nachweisen können, dass die eigene Website den gesetzlichen Mindeststandards entspricht.

Wer ist verpflichtet und wer ist ausgenommen

Grundsätzlich sind alle Unternehmen betroffen, die Waren oder Dienstleistungen an Verbraucher anbieten und dabei elektronische Kanäle nutzen. Dazu zählen klassische Onlineshops, Buchungsplattformen, Kontaktformulare, Newsletter Anmeldungen, Kundenportale und Onlinebanking. Es gibt allerdings eine wichtige Ausnahme für Kleinstunternehmen: Wer weniger als zehn Mitarbeiter beschäftigt und einen Jahresumsatz von unter zwei Millionen Euro erzielt, ist vom BFSG ausgenommen. Diese Ausnahme gilt jedoch nur für Dienstleistungen, nicht für den Verkauf von Produkten. Die zweite Pflicht, die dieselben Seiten betrifft, behandelt DSGVO konforme Website 2026: Pflichten im Überblick.

Auch wenn du als Kleinstunternehmen rechtlich nicht verpflichtet bist, lohnt sich die Umsetzung trotzdem. Eine barrierefreie Website erreicht rund zehn bis fünfzehn Prozent mehr potenzielle Kunden und verbessert gleichzeitig messbar das Google Ranking, weil die technischen Anforderungen an Barrierefreiheit stark mit SEO Best Practices überlappen. Eine gut optimierte Landingpage kann durch barrierefreie Gestaltung ihre Conversion Rate spürbar steigern.


Vergleich: links ein Textfeld mit zu schwachem Kontrast, rechts dasselbe Feld gut lesbar und geprüft

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Vergleich: links ein Textfeld mit zu schwachem Kontrast, rechts dasselbe Feld gut lesbar und geprüft

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Die vier Grundprinzipien der Barrierefreiheit

Als technischer Mindeststandard gilt die WCAG 2.1 Konformitätsstufe AA. Sie baut auf vier Grundprinzipien auf:

  • wahrnehmbar, Inhalte müssen für jeden erfassbar sein

  • bedienbar, alle Funktionen müssen auch ohne Maus erreichbar sein

  • verständlich, Sprache und Bedienung müssen nachvollziehbar bleiben

  • robust, die Seite muss mit Hilfstechnologien zuverlässig funktionieren

Wahrnehmbar: Alle Inhalte müssen so präsentiert werden, dass Nutzer sie mit ihren Sinnen erfassen können. Dazu gehören beschreibende Alt Texte für Bilder, ausreichende Farbkontraste und Untertitel für Videos.

Bedienbar: Jede Funktion der Website muss über die Tastatur erreichbar sein, nicht nur mit der Maus. Menüs, Formulare und Buttons sollten logisch navigierbar sein.

Verständlich: Texte müssen in klarer, einfacher Sprache formuliert sein. Fehlermeldungen sollten erklären, was schiefgelaufen ist und wie der Nutzer das Problem lösen kann.

Robust: Die Website muss mit unterschiedlichen Browsern, assistiven Technologien und Gerätetypen zuverlässig funktionieren, auch mit Screenreadern wie NVDA oder JAWS.

Konkrete technische Anforderungen für deine Website

In der Praxis bedeutet Barrierefreiheit eine Reihe konkreter Maßnahmen. Alle Bilder brauchen einen aussagekräftigen Alt Text, der den Inhalt beschreibt. Der Farbkontrast zwischen Text und Hintergrund muss mindestens 4,5 zu 1 für normalen Text und 3 zu 1 für großen Text betragen. Formulare müssen Label haben, die den Zweck jedes Feldes klar benennen, und Fehlermeldungen müssen auch ohne visuelle Hinweise verständlich sein.

Die semantische HTML Struktur spielt eine zentrale Rolle: Überschriften müssen hierarchisch aufgebaut sein, Buttons müssen als Buttons ausgezeichnet sein und nicht als verlinkte Divs. ARIA Attribute helfen dir, komplexe Komponenten wie Modals, Akkordeons oder Tabs für Screenreader verständlich zu machen. Wer seine Website regelmäßig pflegt und wartet, hat hier einen klaren Vorteil, weil technische Schulden gar nicht erst entstehen.


Eine Prüfliste mit sieben Anforderungen, von denen fünf erfüllt und zwei offen sind

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Eine Prüfliste mit sieben Anforderungen, von denen fünf erfüllt und zwei offen sind

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Was passiert bei Verstößen gegen das BFSG

Das BFSG sieht empfindliche Sanktionen vor. Die Marktüberwachungsbehörden der Länder können Bußgelder von bis zu 100.000 Euro verhängen, wenn Unternehmen ihrer Pflicht nicht nachkommen. Darüber hinaus drohen Abmahnungen durch Verbraucherschutzverbände und Wettbewerber, was zusätzlich mit erheblichen Anwaltskosten verbunden sein kann. Besonders problematisch: Der finanzielle Schaden ist dabei oft nur der Anfang. Wenn Kunden erfahren, dass dein Unternehmen gegen Barrierefreiheitsstandards verstößt, leidet das Vertrauen in deine Marke spürbar.

So gehst du die Umsetzung sinnvoll an

Der Einstieg in die Barrierefreiheit muss nicht überwältigend sein. Starte mit einem professionellen Audit deiner aktuellen Website, das die wichtigsten Problemzonen identifiziert. Tools wie Lighthouse, axe DevTools oder WAVE liefern dir einen ersten Überblick, ersetzen aber keine manuelle Prüfung durch einen erfahrenen Webdesigner. Die kritischsten Punkte sind meistens fehlende Alt Texte, zu geringe Kontraste, nicht tastaturbedienbare Menüs und schlecht strukturierte Formulare. Wie sich Kontrast und Markenwirkung vereinbaren lassen, steht unter Farbpsychologie im Webdesign: Wirkung von Farben.

Wenn du bei einem größeren Relaunch oder einer Neugestaltung stehst, lohnt es sich, Barrierefreiheit von Anfang an mitzudenken, statt sie später aufzupropfen. Das spart dir Zeit, Kosten und spätere Nacharbeit. Die goldenen Regeln des Webdesigns und die Prinzipien der Barrierefreiheit ergänzen sich hervorragend: Was gut zugänglich ist, ist meistens auch gut gestaltet.

Plane außerdem die Erstellung einer Barrierefreiheitserklärung ein, die rechtlich verpflichtend ist. Sie muss öffentlich auf deiner Website verlinkt sein, den aktuellen Konformitätsstatus beschreiben und eine Kontaktmöglichkeit für Hinweise und Beschwerden bereitstellen.

Fazit: Jetzt handeln spart Geld und Nerven

Das BFSG ist keine lästige Pflicht, sondern eine echte Chance, deine Website besser, zugänglicher und erfolgreicher zu machen. Wer jetzt handelt, schützt sich vor teuren Abmahnungen und positioniert sich gleichzeitig als modernes, verantwortungsbewusstes Unternehmen. Die technische Umsetzung ist mit dem richtigen Partner erstaunlich überschaubar und lohnt sich langfristig in jedem Fall, auch wenn du rechtlich gar nicht betroffen sein solltest. Welche Leistungen dafür infrage kommen, siehst du auf einen Blick, und für alles Weitere genügt eine kurze Nachricht.

Quellen

  1. W3C: Die WCAG Richtlinien im Überblick
    w3.org/WAI/standards-guidelines/wcag

  2. W3C: Mindestkontrast nach WCAG 2.2 verstehen
    w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/contrast-min…